Lanzarote - Wettkampftag
Servus Leute,
hier also mein (Nach)Bericht vom Wettkampftag...Aufstehen war so gegen 4Uhr in der Früh angesagt damit man genug Zeit hat das der Kreislauf in Schwung kommt und man das Frühstück mindestens 2 Stunden vor dem Start zu sich nehmen kann. Das ist ja alles schon Routine aber es ist trotzdem eine große Anspannung, denn im Grunde hat man zu viel Zeit nach dem Aufstehen und zwischen dem Startschuß. Denn alles was es zu regeln galt - Wechselbeutel packen etc. - war ja gestern schon...also tigert man durch Apartement und weiß nicht so recht...grübelt schonmal über den Tag nach usw.
Ich rühr mir meine Geheimwaffe an...Baby-Keks-Brei... *mjam* *mjam* als Starter und 2-3 Reiswaffeln mit Honig, Tasse Kaffee und das wars. Falls es später vorm Start nochmal Hunger geben sollte, knabbert man halt lecker Power-Bars...gibts ja so selten...
5:20Uhr gehts mit dem Van (und Daniel) an die Wechselzone. Im Halbdunkel und ziemlich hektischer Betriebsamkeit lauf ich durch die Wechselzone, hole meine Sachen die noch ans Rad müssen aus den Beuteln und bereite meinen Wechselplatz vor. 8 halbe Riegel und 1 Flasche mit Wasser ans Rad. Das Wasser ist nach dem Schwimmen besser um sich das Salzwasser aus Mund und Augen zu spülen...
Die Stimmung ist recht gedrückt bei allen Athleten denn die äußeren Bedingungen sind alles andere als beruhigend. Beständig starker Wind die letzten Tage und Nächte haben das Meer stark aufgewühlt und dadurch ist es recht kalt und - was schlimmer ist - sehr unruhig und wellig. Das ist wohl die schlechteste Kombination überhaupt. Ich bin mit Shorts und T-Shirt zur dünn angezogen und friere...war wohl zu optimistisch was Temperaturen angeht.
Naja und der Wind ist natürlich auch auf der Radstrecke unser ständiger Begleiter. Man kann/muß sich zwar vom Kopf her drauf einstellen, aber der Seitenwind ist wirklich saugefährlich und so scheinen mir alle um mich herum (mich eingeschlossen) hoch-konzentriert und angespannt. Die Enge in der Wechselzone tut dazu ihr übriges. So kommen einem die "nur" 1000 Starter deutlich mehr vor...
Es gibt so recht keinen "blickgeschützten" Umziehbereich und so mache ich das kurzerhand in einem Zelt wo sich die meinsten vor dem Wind verstecken und ihren Gedanken nachhängen. Stört weder die anderen noch mich...is halt so...also raus aus den Klamotten und rein in den Neopren. Mein enges Funktions-Shirt lass ich an denn es ist wirklich lausig kalt...drück mich noch ein bischen in der Gegen rum und halte Ausschau nach meinem Vater, kann ihn aber nicht finden und dackel 20min. vor dem Start runter zum Wasser.
Bitte jemanden mir den Neo zu schliessen...in dem Moment tragen sie den belgischen (ex)Top-Triathleten Marc Herremanns auf einer Trage zum Wasser an mir vorbei. Er ist vor 4 Jahren in einer Abfahrt vom Mirador de Haria (1er der 2 steilen Berge) vom Wind aus einer Serpentine in eine kleine Schlucht geblasen worden und seitdem querschnittgelähmt!!! Er war seitdem schon 2x auf Hawaii und ist jeweils 2ter in der Handicaped-Klasse geworden und nun kehrt er an die Stätte seines Unfalls zurück...der Hammer!!!
...das verursacht doch einen großen Kloß im Hals und vertreibt kurz die eigene Anspannung und Angst...denn obwohl ich wohl so gut wie noch nie fürs Schwimmen gerüstet bin, ist es immer eine gewisse Haß-Liebe die ich zum Schwimmen habe...oder besser zu den Leuten um mich herum...warum das immer zur Schlägerei ausarten muß ist mir rätselhaft...der Tag wird auch so lange und unangenehm...naja, gehört wohl dazu?!
Schwimme mich kurz ein und dann geht's schon los. Diesmal der erste Landstart meines Lebens. D.h. alle rennen ins Wasser und schwimmen dann erst los. Ich jogge eher gemächlich...habe keine Lust im Sand zu sprinten...wie gesagt...wird lang heute...die ersten - genau - 165Meter zur ersten Boje und die darauffolgenden 1000Meter gehts wieder ordentlich zur Sache...Schläge, Tritte, Halten, Stoppen, Brustzüge, Wasserball-Kraulen, Rhythmus finden, Position behaupten ...das ganze Repertoire halt. Nach der Hälfte der Distanz und diversen tiefen Schlucken Salzwasser normalisiert sich die Lage einigermaßen und ich kann endlich die Länge meiner Züge ausnutzen. Habe zwar überhauptkein Tempogefühl da mir die Orientierung auf dem - sichtbaren - Meeresboden duch die Aufgewühlheit der See fehlt aber egal. Hauptsache im Rhythmus bleiben. Beim kurzen Landgang zwischen Runde 1 u. 2 hab ich leichte Krämpfe in den Beinen ("normal" durch die rel. Kälte u. Schwimmbewegungen) aber nicht lang rumgefackelt und ab in die 2te/letzte Runde. Als ich nach 1:02:30 aus dem Wasser komme freue ich mich sehr über die gute Schwimmzeit - hat sich die Arbeit mit Woitek meinem Schwimmtrainer anscheinend doch ausgezahlt?!!! *yessss*
Der Weg zur Wechselzone ist hier sehr lang und ich stresse mich nicht...es geht mir diesmal nicht unbedingt um Sekunden...lieber in Ruhe aus dem Neo, bischen abgetrocknet und dann rein in den Rad-/Lauf-Kombi. wollte bei den kühlen Temperaturen am Morgen nicht mit nassen Radkklamotten starten. Zack - zum Rad - Helm auf - Kinnriehmen zu und raus...diesmal bitte nicht hinfallen...klappt auch gut. Jetzt erstmal Nervosität ablegen, Puls probieren in "normale" Bereiche zu bringen und den Rhythmus finden...Kopf erneut auf starken Wind einstellen...
Sobald man Puerto del Carmen verläßt erwischt einen der Wind volle Kanne von der Seite...jetzt fängt es also richtig an...Hochkonzentriert nicht erneut von der Straße geblasen zu werden halte ich mich so oft es erforderlich ist am Lenker fest und liege nicht auf dem Tria-Aufsatz. Nach ca. 6-8km biegt man dann rechts ab in Richtung Inselmitte und rüber zur West-Küste nach "El Golfo" den Rand der Timanfaya Feuerberge, wo sich seinerzeit die riesigen Lavaströme ins Meer ergossen haben. Auf dem Weg dorthin bläßt einem der Wind mächtig ins Gesicht aber das ist für alle gleich und somit kein Problem. Ich überhole ständig Leute...ein gutes Gefühl...trotzdem fahre ich heute nicht auf der letzten Kante...um möglichst viel Kraft für die schweren Berge zu sparen. Also die ganzen Steigungen oder auch mal Gegenwind-Passagen fahre ich viel mit dem "kleine Blatt" vorne und höherer Trittfrequenz.
Meinen Vater sehe ich das erste mal am Straßenrand nachdem ich die El-Golfo Runde fertig habe und es jetzt die Steigung durch die Feuerberge raufgeht. Er kann meine bisherige Radzeit nicht fassen...also scheine ich gut unterwegs zu sein. Die Feuerberge rauf ist der Asphalt sehr sehr schlecht und man ist doch leicht genervt davon...alles rappelt am Rad und man sitzt eigentlich nicht wirklich, sonder man hüpft auf dem Sattel herum und das Getränk in der Lenkerflasche vorne schwappt einem ständig über die Beine - das scheiss-klebrige Zeug. Naja, ich bleibe eigentlich die ganze Zeit hochkonzentriert, immer schön trinken und sich verpflegen, denn die Schwierigkeiten kommen ja erst noch...Verpflegen ist wichtig, daß fällt einem erst so richtig auf, wenn man mal auf einem der seltenen Rückenwind-Abschnitte ist. Dort steht die Hitze so dermaßen und sofort läuft einem der Schweiß in Sturzbächen runter.
So...in der Inselmitte angekommen biege ich nun ab Richtung Mirador de Haria - wo sich oben der Windpark befindet. Es gibt Leute, die sich Badelatschen mit ins Trikot stecken um dort hoch zu schieben. Nicht umsonst muß man sich erneut völlig von der Tacho-Anzeige verabschieden...das geht mitunter so langsam, daß man eben gleich zu Fuß gehen könnte aber der Lichtblick ist - oben gibts die Eigenverpflegung. Für mich heißt das salzige Kekse und ein belegtes Brot. Bringt zwar ernährungstechnisch garnichts, aber mental freut man sich wie ein Keks über etwas das nicht süß und klebrig ist. Den Beutel hänge ich mir während der Fahrt um und stopfe mir die ersten Kekse noch währen der Abfahrt rein...den Rest verliere ich, da die Abfahrt sehr steil ist und meine ganze Konzentration fordert - Marc Herremanns läßt grüßen. Trotzdem tun so ein paar Bissen Salziges ganz gut.
Nach der rasenden Abfahrt gehts zick-zack durch ein kleines Örtchen und die letzte große Steigung des heutigen Tages beginnt. Hoch zum Mirador del Rio...auf dem Weg dorthin überholt mich Rolf Aldag Ex-Profi vom Team T-Mobile, erst bei km 110 - yesssss - aber bevor ich ihn was fragen kann, isser vorbei, denn wir sind gerade in der steilsten Rampe der ganzen Radstrecke und ich spare lieber meine Luft. Nach der Rampe geht's zwar weiter ordentlich bergauf, aber man hat 20m links den Abbruch der Steilküste mit Blick auf die kleine Nachbarinsel "La Graciosa". Trotz der Anstrengung kann ich die Aussicht genießen. Oben angekommen steht Daniel - unser Guide - und bestätigt mir meine gute Radleistung - das gibt natürlich Auftrieb für die Abfahrt und die letzten 50km!!!
Jetzt lass ich's richtig fliegen - Abfahrt mit knapp 80km/h und immer schön Kette rechts! Unten angekommen gehts nurnoch leicht wellig zurück Richtung Wechselzone 2 - mit einer Ausnahme. Man muß nochmal kurz 2km Richtung Inselmitte und dort bläst's nochmal richtig derbe frontal entgegen. Das ist bei km 145 und mein Vater ruft mir zu das ich auf Position 60-65 liege. super!!! Jetzt fange ich an "rauszunehmen"...das bedeutet nicht mehr volle Power sondern "Beine hoch" und auch mal einen Tritt rausnehmen für den abschließenden Marathon...aber bei Km 170 passiert's dann....
Labels: Lanzarote 2006

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